Straßburg (AAP) - Die modernen Kriege leiden an einem eigentümlichen Übel: Jeder erklärt sich mit einer Leichtigkeit zum Sieger, die in umgekehrtem Verhältnis zu den tatsächlich erreichten Ergebnissen steht. Eine Stadt fällt, ein Heer weicht zurück, ein Banner wird niedergerissen, und schon verkünden die Kanzleien den Triumph. Doch diese sichtbaren Zeichen bilden nur die Oberfläche der Ereignisse.
Es ist zur Gewohnheit geworden, den taktischen Erfolg mit dem politischen Sieg zu verwechseln. Die Feldzüge, welche heute Italien erschüttern, liefern hierfür beinahe ein vollkommenes Beispiel. Siena hält stand, Mantua wird eingenommen und wieder geräumt, Venedig wechselt den Besitzer, nur um erneut zum Kriegsschauplatz zu werden, Linz behauptet sich, während sich die Heere der AEGIS, des Heiligen Römischen Reiches, Venedigs, des Königreichs beider Sizilien und des Osmanischen Reiches bewegen wie Massen, die einer Schwerkraft folgen, deren Ursache die Beobachter kaum noch erkennen.
Die Landkarte verändert sich beinahe wöchentlich. Die Politik weit weniger. Seit einigen Tagen hat sich der öffentliche Platz in eine Akademie der Strategie verwandelt. Man berechnet den Nutzen einer Eroberung, zählt Minen, Wälder, Häfen, Steuereinnahmen und politische Mehrheiten. Bei dieser Rechnung drängt sich eine Erkenntnis auf: Kaum eine Provinz hätte tatsächlich einen Vorteil davon, ihren Nachbarn zu annektieren. Die administrativen, militärischen und politischen Kosten übersteigen meist den materiellen Gewinn.
Diese Schlussfolgerung ist richtig. Sie bleibt dennoch unvollständig. Denn sie setzt voraus, dass der Krieg notwendigerweise ein territoriales Ziel verfolgt. Eine eroberte Stadt ist jedoch noch keine unterworfene Stadt. Der Bauer öffnet weiterhin seine Werkstatt, führt seine Ochsen auf das Feld und verkauft sein Getreide auf dem Markt. Er mag nicht einmal den Namen jenes Herrschers kennen, dessen Banner nun über den Mauern weht. Für ihn bleibt der Krieg ein fernes Geräusch. Die Einnahme einer Burg bedeutet bereits einen tieferen Einschnitt.
Wer die Burg besitzt, beherrscht nicht nur ihre Mauern, er verfügt über die Werkzeuge der Herrschaft. Die Steuern fließen an einen neuen Herrn. Die Bergwerke werden von einer neuen Verwaltung geführt. Die Märkte unterliegen neuen Vorschriften. Die Beamten leisten einen neuen Eid. Und doch genügt selbst dies noch nicht. Der eigentliche Akt der Eroberung beginnt erst dort, wo der Sieger Recht spricht. Wenn er die Bewohner vor seine Gerichte lädt. Wenn er Geldstrafen verhängt. Wenn er einsperrt. Wenn er verurteilt. Wenn er den Galgen errichten lässt. Erst dann blickt der Besiegte nicht mehr auf ein Banner, sondern auf eine Obrigkeit.
Die jüngsten Bekanntmachungen aus Österreich bezeugen diese Wirklichkeit beinahe unfreiwillig. Sie sprechen weniger von verlorenen Gebieten als von Bürgern der Steiermark, die vor Gericht gestellt werden, nur weil sie nun unter einer anderen Herrschaft leben. Nicht das feindliche Heer ist zur eigentlichen Furcht geworden, sondern der feindliche Richter. Hier liegt der wahre Schwerpunkt eines Krieges. Der Sieg besteht nicht darin, mehr Meilen zurückgelegt zu haben als der Gegner. Er besteht darin, den eigenen Willen an die Stelle des Willens des Feindes zu setzen.
Alles Übrige ist Bewegung. Märsche, Belagerungen, Schlachten, Rückzüge und Eroberungen gehören zum Bereich der Mittel. Ihren Sinn erhalten sie allein durch das politische Ziel, dem sie dienen. Vielleicht erklärt gerade dies den eigentümlichen Eindruck, den die gegenwärtigen Feldzüge hinterlassen. Jeder rückt vor. Jeder weicht zurück. Jeder verkündet seinen Sieg.
Und dennoch arbeiten überall die Verwaltungen weiter, öffnen die Märkte wieder ihre Tore, bestellen die Bauern ihre Felder, während die Kanzleien neue Verlautbarungen verfassen. Die Heere besetzen die Straßen. Die Regierungen versuchen noch immer, die Menschen zu beherrschen. Der Unterschied ist erheblich. Denn wer eine Stadt einnimmt, gewinnt eine Operation. Wer sein Recht zu herrschen anerkennen lässt, gewinnt den Krieg.
Les membres du conseil reconnaîtront le prochain Duc d'ici à deux jours. Ce dernier devra alors présenter ses hommages à son souverain, et nommer aux principales charges du Duché.
29/06/1474Steiermark, wenn die Politik zögert, setzt der Krieg sein Werk fort
Marburg (AAP) - Es gibt Augenblicke, in denen Friedensbekundungen der Wirklichkeit vorausgehen, die sie zu verkünden beanspruchen. Seit mehreren Tagen kursieren Gerüchte über ein Abkommen zwischen Reich und Aegis. Bis heute wurde jedoch kein Vertrag veröffentlicht. Die Politik scheint eine Tür geöffnet zu haben, welche die Waffen noch nicht zu durchschreiten bereit sind.
Am 27. Juni versenkte das Kriegsschiff Prima Lilia im Hafen von Marburg ein Schiff, das zuvor vom Hafenmeister der Besatzungsbehörden, Lucasofthevale, aus dem Trockendock in den Hafen verlegt worden war. Dieses Gefecht war zwar begrenzten Umfangs, besitzt jedoch eine strategische Bedeutung : Solange die Mittel des Krieges weiterhin eingesetzt werden, um die Ressourcen des Gegners zu vernichten, bleibt der Frieden ein Vorhaben und kein Zustand.
Es war nicht der erste Einsatz dieses Schiffes. Die Prima Lilia wird ebenfalls für die Versenkung eines Handelsschiffes aus Mainz verantwortlich gemacht, dessen Überlebende schwer verletzt wurden und noch immer in der Steiermark versorgt werden. Die Opfer wechseln, die Logik bleibt dieselbe: Der Krieg unterscheidet nicht zwischen dem, was die Armee versorgt, und dem, was die Gesellschaft ernährt. Indem er Verkehrswege und materielle Mittel angreift, verfolgt er sein grundlegendes Ziel, die Widerstandskraft des Gegners zu schwächen.
Während die Waffen weiter sprechen, verlagert sich der Kampf zugleich auf ein anderes Feld, jenes der Legitimität. Am selben Tag wurde ein Rat wiedergewählt, der sich als rechtmäßiger Rat der Steiermark versteht. Dieses Ereignis geht weit über seine institutionelle Bedeutung hinaus. In jedem Krieg beruht Macht nicht allein auf dem Besitz eines Territoriums, sondern auf der Anerkennung der Autorität, die beansprucht, es zu regieren. Eine Verwaltung kann eine Stadt besetzen; sie herrscht jedoch erst dann wirklich, wenn ihre Autorität anerkannt wird.
Die Anhänger dieses Rates vertreten die Auffassung, dass mit seiner Wiederwahl den Vertretern der Besatzungsmacht jede rechtliche Grundlage entzogen sei. Die gegen zahlreiche steirische Bürger eingeleiteten Verfahren seien damit gegenstandslos geworden, während die angekündigten Prozesse und Hinrichtungen ihre politische wie juristische Grundlage verloren hätten.
So entwickeln sich gleichzeitig zwei gegensätzliche Bewegungen. Einerseits lässt die Diplomatie auf eine Unterbrechung der Gewalt hoffen; andererseits zeigen die militärischen Operationen und der Wettbewerb rivalisierender Institutionen, dass sich die politischen Willen noch nicht angenähert haben. Ein Krieg endet nicht, weil die Kämpfenden vom Frieden sprechen, er endet erst dann, wenn beide Seiten erkennen, dass die Fortsetzung der Kämpfe ihre politische Lage nicht mehr verbessern kann.
In der Steiermark scheint dieser Zeitpunkt noch nicht erreicht zu sein. Die Schlachten mögen seltener werden, doch der Kampf der politischen Willen besteht unvermindert fort. Und gerade dieser entscheidet, weit mehr als das Donnern der Kanonen, letztlich über den Ausgang eines Krieges.
28/06/1474Dalla conquista delle città a quella degli uomini
A Straßburgo (AAP) - Per diverse settimane la coalizione AEGIS si è guardata bene dal dichiarare apertamente a quali condizioni avrebbe accettato di porre fine alla guerra. I comunicati ufficiali richiamavano la sicurezza collettiva, la difesa dei popoli aggrediti e la necessità di rispondere alle offensive imperiali. Le operazioni militari sembravano perseguire un obiettivo strategico, senza che la traduzione politica della vittoria fosse realmente esplicitata. Gli ultimi sviluppi sembrano tuttavia sollevare parte del velo.
All'indomani della riconquista di Padova e della distruzione di gran parte delle armate imperiali impegnate in Veneto, il discorso politico all'interno della coalizione appare sensibilmente mutato. Non si parla più soltanto di territori o di fortezze, ma di responsabilità personali. L'attenzione converge ora su alcune figure di primo piano della dirigenza imperiale.
Il nome di Glamoran ricorre con sempre maggiore insistenza. Il suo ruolo nella conduzione delle operazioni militari viene apertamente contestato dagli avversari, che gli attribuiscono tanto le scelte strategiche sfociate nei disastri di giugno quanto l'ostinazione con cui il conflitto è stato prolungato, aggravandone continuamente il costo umano. Ancora più significativo è il caso di Jean de Brabant.
Da mesi diversi esponenti di AEGIS ne chiedono l'ostracismo politico. Una richiesta che, in realtà , non è mai stata pienamente soddisfatta. L'interessato è rimasto dietro il tendaggio del potere imperiale: mai realmente in prima linea, ma nemmeno davvero allontanato dai centri decisionali. Oggi la questione riemerge con rinnovata forza.
I successi militari della coalizione sembrano trasformare quelle che fino a ieri apparivano semplici dichiarazioni politiche in possibili condizioni da porre sul tavolo di un futuro negoziato. La guerra, così, cambia natura.
L'allontanamento di Glamoran sarebbe sufficiente a soddisfare i vincitori ? Il sacrificio politico di Jean de Brabant basterebbe a placare le richieste avanzate da mesi ? Oppure queste due teste rappresenterebbero soltanto il primo tributo preteso dai vincitori, preludio ad ulteriori condizioni ?